Rock’n’Roll

Was machen Klezmer Musiker, wenn sie nicht Klezmer spielen?

Genau, sie spielen Rock’n’Roll, jedenfalls manche. Unser Akkordonist Florian Scharnofske ist, wie die meisten wissen, ein studierter Jazz-Pianist. Was nicht alle wissen, er ist auch ein großartiger Rock’n’Roll Künstler.

Piano RocknRoll Show Event Pianist-2

F.S. Rock’n’Roll Show

Sie machen Rock’n’Roll

Stehend am Klavier hämmert er in die Tasten im Stile der Rock’n’Roll-Altmeister Jerry Lee Lewis (Great Balls of fire etc.) & Little Richard (Rise it up etc.) und interpretiert auch die Rock’n’Roll Hits der anderen Stars wie Elvis Presley, Chuck Berry, Bill Haley und Carl Perkins. Nachdem seine einmaligen Einlagen lange nur als Geheimtip und auf Anfrage zu erleben waren, stellt er nun offiziell sein Rock’n’Roll Programm „F.S. Rock’n’Roll Show“ auf einer eigenständige Website vor.

Rock’n’Roll & Klezmer

Auf den ersten Blick haben Rock’n’Roll und Klezmer nicht viel miteinander zu tun. Klezmer, die traditionelle jüdische Hochzeitsmusik und Rock’n’Roll die Musik der Rebellion im christlich konservativen Amerika der 50er-60er  Jahre. Rock’n’Roll entstand in 1950er Jahren in den USA aus dem Rhythm&Blues.

Klezmer Einflüsse in amerikanische Kunstmusik, Musical und Songs

Klezmer entstand vor über 500 Jahren in Europa. Die Art und Struktur der heutigen Klezmermusik entwickelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach im 19. Jahrhundert in Bessarabien. Klezmermusik war mit jüdischen Auswanderern auch in die USA gelangt, verlor dort im 20. Jhdt. aber an Bedeutung, da  die amerikanischen Juden wenig an der Klezmertradition festhielten. In den 1920ern bewirkten die Klarinettisten Dave Tarras und Naftule Brandwein ein kurzes einflussreiches Aufleben, außerdem brachten jüdische Einwanderer aus Osteuropa immer wieder frische jiddishe Kultur mit,  so dass sich viele berühmte jüdische Komponisten der Kunstmusik, wie Leonard Bernstein, Aaron Copland oder George Gershwin auf Klezmer-Einflüsse aus ihrer Jugend berufen.

Einen direkten musikalischen Einfluss der Klezmermusik, wie bei der Kunstmusik und bei vielen Musicals oder Musikfilme finden wir beim Rock’n’Roll nicht. Allerdings ist der Rock’n’Roll jüdischer als es scheint.

Der Vater des Rock’n’Roll – ein Jude

Albert James „Alan“ Freed (* 15. Dezember 1921 in Windber, Somerset County (Pennsylvania); † 20. Januar 1965 in Palm Springs) auch bekannt als Moondog war ein jüdischer Radio-DJ und Filmdarsteller.

Er gilt als Vater des „Rock’n’Roll“.  In seiner besonders bei amerikanischen Teenagern populären nächtlichen Radiosendung „The Moondog Rock & Roll House Partys“ spielte er Rock’n’Roll Aufnahmen von Afro-Amerikanischen Künstlern. Er veranstaltete Live-Konzerte bei denen er auf eine Rassentrennung im Publikum verzichtete. Er prägte den Begriff „Rock’n’Roll“ und trug maßgeblich zur Popularität vieler Rock’n’Roll Größen wie Little Richard, Chuck Berry, aber auch Elvis Presley und Bill Haley bei. Mit seinen Sendungen und Filmen beeinflusste er viele Musiker der Rockgeschichte. 1986 gehörte er damit zu Recht zur ersten Gruppe, die in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurden.

Jailhouse Rock und Hound Dog komponiert von Juden

Jerry Leiber (* 25. April 1933 in Baltimore, Maryland; † 22. August 2011 in Los Angeles, Kalifornien) und Mike Stoller (* 13. März 1933 in New York City) schrieben nicht nur für Elvis Presley die Stücke Jailhouse Rock und Hound Dog. Sie waren waren eines der wichtigsten Musikproduzenten- und Songwriter-Duos der 1950er und 1960er Jahre.  Ray Charles nannte sie sie:  „Die verdammten weißen Typen, die die schwärzesten Songs von ganz Mississippi schrieben.“ Mehr über die Einflüsse von jüdischen Musiker und Komponisten auf die Rock Musik gibt es in dem Buch „Stars of David: Rock’n’Roll Jewish Story“.

Erst Rock’n’Roll dann Klezmer

Das Interesse für Rock’n’Roll kam bei unserem Akkordeonisten lange, bevor er Klezmer-Musik überhaupt kennenlernte. Als Kleinkind tobte er schon voller Freude zu der einzigen Rock’n’Roll LP seiner Eltern. Als Teenager waren seine wilden Rock’n’Roll Piano Einlagen der Renner auf jeder Hausparty wo ein Klavier stand. Dann kam das Jazz-Studium und er lernte Jörg  Teichert und das Klezmer Quartett kennen.

Rock’n’Roll und Klezmer für eine Hochzeit?

Irgendwann kam ein findiger heiratswilliger Rock’n’Roll- und Klezmer-Fan auf die Idee, in den Tiefen des Internets zu wühlen und fand dabei heraus, dass Florian sowohl Klezmer als auch Rock’n’Roll spielte. Wahrscheinlich ohne sich der Tragweite seines Handeln bewußt zu sein, fragte per Mail an, ob es denn nicht möglich sei, auf seiner Hochzeit beides zu spielen.

Die Wiedergeburt des Papo Poikovic Orkestar

Es war möglich. Das rief Jörg auf den Plan, der sich neben seinen Klezmer-Künsten zu der Zeit schon mehrfach als hervorragender stilechter Rock’n’Roll-Gitarrist in verschiedenen Bands mit Florian bewiesen hatte. In Erinnerung an ruhmreichen Tage von Papo Poikovic, vereinigten Sie ein neues Papo Poikovic Orkestar, das nun mit Klezmer, Rock’n’Roll und traditionelle und modernen Balkan-Stücken die Bedürfnisse des Publikums nach dieser anscheinend immer gefragteren Mischung befriedigt.

Wenn es aber nur Rock’n’Roll sein soll, gibts das jetzt auf www.fs-rock-n-roll.de.