Presse

Main Rheiner (24.10.05):

Variationsreich und temperamentvoll

Mitreißendes Konzert des "Klezmer-Quartett Heidelberg" im Rüsselsheimer Festungskeller

(Von Nina Finkernagel)
RÜSSELSHEIM Musikalische Gegensätze aus dem slawischen Fundus traditioneller Musik prägten den Abend im Festungskeller, wo das "Klezmer-Quartett Heidelberg" am Samstag auf Einladung des Vereines "Dorflinde" gastierte. Schwermütige Melancholie wechselte mit einem scheinbar unversiegbar sprudelnden Quell der Lebensfreude, dessen Impulse sich die vier Musiker zuspielten. Dabei stellten sie zugleich ihre technischen Qualitäten auf den Instrumenten unter Beweis. Der quirlige Klangstrom der Klezmer-Quadriga steigerte sich oftmals zu ekstatischen Geschwindigkeiten und öffnete eine neue Tür zu den Stücken.
Denn der unverwechselbare Charakter des Quartetts schlug sich in der Interpretation der Kompositionen nieder, die keineswegs an eine originalgetreue Wiedergabe gebunden waren, sondern der Individualität einen unbegrenzten Freifahrtschein gaben. Martin Leckebusch verlangte seiner Geige Hochleistungen ab, während Klarinettist Holger Teichert sein Holzblasinstrument variationsreich und temperamentvoll einsetzte.
Jörg Teichert spielte die Gitarre und Roland Döringer entlockte seinem Kontrabass inmitten eines osteuropäischen Liedes sogar ein Stückchen Bachscher Toccatenkunst. Leckebusch schaffte mit Moderationseinheiten Übergänge zwischen den einzelnen Kompositionen. Fast marschähnliche Hochzeitstänze gehörten zum dem Repertoire des Quartetts, ein typisches Tanzstück war mit dem "Freilach", was "fröhlich" bedeutet, vertreten.
Zu dem jiddischen Anteil und der osteuropäischen Folklore mischten sich auch Zigeunerweisen und Melodien aus dem Balkan ins Programm. Dynamisch und mitreißend zeigt sich das von Holger und Jörg Teichert 1999 gegründete Quartett im Festungskeller und präsentierte ein Stück Musikgeschichte in einem unverwechselbaren Stil.

Echo Online (24.10.05):

Volkssprache der Seele

Dorflinde: Klezmer Quartett Heidelberg reißt in der Festung seine 200 Zuhörer mit

(Von Karl Schliessmann)
Fast entsetzt winkt Martin Leckebusch ab, wenn der Vergleich mit Irith Gabriely und ihrer Gruppe Colaleila gezogen werden soll. Nein, meint der Geiger des Klezmer Quartett Heidelberg. Bis dahin sei es für ihn und seine Mitstreiter Holger Teichert, Roland Döringer und Jörg Teichert doch noch ein steiler Weg. Bei aller Bescheidenheit: So steil ist der Weg wohl doch nicht. Vor vier Jahren haben sich die Heidelberger Musiker zusammengetan, um der „Volkssprache der Seele“, wie Klezmer als Musik der osteuropäischen Juden benannt wird, eine neue Facette hinzuzufügen. Es ist ihnen trefflich gelungen. Davon haben sie am Samstagabend im Festungskeller knapp 200 Besucher des Dorflinde-Konzerts überzeugt. Mit seh- und hörbarer Spielfreude, mit Neigung zum Komödiantischen, mit musikalischem Können und mit jener Feinfühligkeit, die dem Klezmer die Seele verleiht. Beim Rüsselsheimer Folk- und Jazzclub Dorflinde ist der Vergleich mit Colaleila und der „Queen of Klezmer“, wie Irith Gabriely gern genannt wird, durchaus erlaubt. Und zumindest in einem Punkt hat das Klezmer Quartett Heidelberg diesen Vergleich eindeutig zu seinen Gunsten entschieden.
Die vier Heidelberger, bisher nur als Insider-Tipp in der Szene gehandelt, haben mehr Besucher in den Festungskeller gelockt als ehedem Colaleila und ihre Klarinetten-Virtuosin. Und es ist Martin Leckebusch, den Teichert-Brüdern und dem vor drei Jahren neu hinzugekommenen Roland Döringer mit dem Kontrabass auf Anhieb gelungen, das Publikum zu begeistern. Atem raubende Tempowechsel mit jubilierender Leichtigkeit hingeworfen, ineinander verschlungene Melodienfolgen und die klagende Melancholie, mit der Geige und Bass-Klarinette im nächsten Atemzug das ganze Leid eines von allen über Jahrhunderte verfolgten Volks erzählten, schickten die Zuhörer durch ein Wechselbad der Gefühle. Dabei überwogen freilich die heiteren Seiten. Beim feurigen Czardas oder der Verquickung von „Those where the days my friend“ mit dem hebräischen Volkslied „Havanagila hava“, als 400 Hände den rasenden Takt mitschlugen und sich im rhythmischen Beifallssturm für eine mitreißende Leistung vereinten.

Rhein-Neckar-Zeitung (9.4.04):

Zwischen Melancholie und Lebensfreude

"Klezmer Quartett" eroberte spielend das Publikum in der Scheuer

(Von Doris Weber)
Dossenheim. Anerkennende Worte waren allenthalben beim Verlassen der Museumsscheune zu hören. Roland Döringer, Bassist des "Klezmer Quartetts Heidelberg", hatte wieder einmal Neues zur Veranstaltungsreihe "Kunst und Kultur in der Scheuer" beigesteuert. Aber nicht nur Neues, wie sich schnell herausstellte. Sein Auftritt mit dem Programm "Freilach - zwischen Melancholie und Lebensfreude" wird auch einen besonderen Platz in der Chronik der Veranstaltungen in der Scheuer einnehmen.
Holger Teichert, Klarinette, Martin Leckebusch, Geige, Jörg Teichert, Gitarre, und Roland Döringer am Kontrabass hatten sich noch nicht richtig warm gespielt, da war das Publikum in der voll besetzten Museumsscheune schon erobert. Das mag unzweifelhaft am Zauber der Klezmermusik liegen. Das lag aber ebenso unzweifelhaft an den vier Musikern selbst, die völlig unprätentiös ihre Instrumente nach allen Regeln der Kunst zum Klingen brachten. Das machte einfach Spaß.
Hatte Döringer als Mitglied der Veranstaltungsorganisatoren die Begrüßung der Zuhörer übernommen, führte Leckebusch durch das Programm. Mit Anekdoten und Geschichtchen verschaffte er den Musikern und dem Publikum kurze und unterhaltsame
Atempausen. "Ihr wollt wissen, wie viele Männer und einem Dache leben? Zählt die Geigen an der Wand." Ganz wird die Rechnung nicht aufgehen, denn Leckebusch selbst stand mit zweien dieser Instrumente auf der Bühne. Aber nicht nur bis in die höchsten Töne Geige spielend engagierte er sich im Quartett. Er erhob auch seine Stimme und sang. Das war dem Publikum einen Extra-Applaus wert.
Was sie spielten? Ihr Programm folgte getreu dem Titel "Freilach zwischen Melancholie und Lebensfreude." Zwei Stücke, die "Freilach - Fröhlichkeit" im Titel führten, belegten, dass dieses Lebensgefühl auf sehr unterschiedliche Weise erfahren werden kann. Das eine Stück spiegelte eine ausgelassene, von ungebremster Lebensfreude gekennzeichnete Fröhlichkeit wider. Das andere zeigte eine eher stille, in sich gekehrte. Beiden Stücken gemein war, dass sowohl Komposition als auch Vortrag von der Fähigkeit durchdrungen war, tief empfinden zu können. Tänze - "Das war der jiddische Charleston", so Leckebusch - und Filmmusik wie "Bubamara" aus "Schwarze Katze, weißer Kater" hatten die Musiker auch einstudiert.
Warum Döringer vor Konzertbeginn noch unbedingt einen Notenständer besorgte, wodurch sich der Konzertbeginn verzögert hatte, bleibt eigentlich unklar. Denn Noten hatte keiner der vier Musiker gebraucht.

Dossenheimer Woche (6.4.04):

Kunst und Kultur in der Scheuer
Klezmer Quartett begeistert in Dossenheim

Bild 1
Das Klezmer-Quartett bewies große Spielfreude
Bild 2
Die vielen Zuschauer kamen alle auf ihre Kosten
(mc). Mit Geige, Gitarre, Klarinette und Kontrabass hat das "Klezmer Quartett" am vergangenen Freitag in der fast vollbesetzten Dossenheimer Museumsscheuer ein außergewöhnliches Konzert gegeben. Mitreißende Spielfreude und originelle Arrangements sind das Markenzeichen von Holger und Jörg Teichert, Martin Leckebusch und Roland Döringer. Vor allem jiddische Klezmer-Musik und Zigeunerweisen aus dem Balkan haben es dem Quartett angetan. Dabei stehen nicht möglichst historisch korrekte Aufführungen im Mittelpunkt, sondern die ausdrucksvollen Interpretationen der osteuropäischen Lieder. Kopf der Truppe ist der Dossenheimer
Musikethnologe und Bassist Roland Döringer. "Freilach - Zwischen Melancholie und Lebensfreude" ist der Name des aktuellen Programms, das bei den Zuhörern gut ankam: Es gab immer wieder Szenenapplaus....