Pressestimmen

Mit spielerischer Leichtigkeit

„Klezmer-Quartett Heidelberg“ verzauberte das Publikum

Dossenheim. Ihr Ruf eilt ihnen voraus. Und so war die erste Veranstaltung nach der Sommerpause von “ Kunst und Kultur in der Scheuer“ am Samstag bestens besucht: Der Raum war zum Bersten voll. Viele wollten das “ Klezmer-Quartett Heidelberg“ live erleben. Die fünf Musiker waren nicht das erste Mal in der guten Stube der Gemeinde zu Gast.

Das Publikum hatte sich von diesem Auftritt nicht zu viel versprochen, bei dem – wie bei allen guten Beiträgen – kräftig überzogen wurde. Holger Teichert, Jörg Teichert, Martin Leckebusch, Florian Scharnofske und Roland Döringer gaben eine grandiose Vorstellung. Wer sie vor einigen Jahren schon einmal in der Museumsscheune erlebt hatte, der konnte eine Entwicklung in Richtung zunehmender Eigenständigkeit und Loslösung vom Bekannten feststellen.

Gleich mit ihrem ersten Stück setzten sie Maßstäbe. Sie demonstrierten eindrucksvoll und gekonnt die Wechsel der Tempi. Eben noch mit schwindelerregender Geschwindigkeit gespielt, nahmen sie abrupt die Schnelligkeit aus der Musik. Wie wenn man nach einer rasanten und riskanten Abfahrt allmählich wieder in ruhigerem Fahrwasser Erholung findet. Das Publikum ging mit. Und man weiß gar nicht genau, wie es die Musiker anstellten – sie hatten ihre Zuhörer fest im Griff. Herrschte eben noch ausgelassene Stimmung, verebbte im selben Moment jedes Geräusch.

Dieses Mal hatte sich der Violinist der Gruppe dem jiddischen Witz verschrieben. Herrlich, wie er vom sich gegenseitig neckenden Gespräch des Rabbiners und des Priesters berichtete. Auf der Such nach der Eigenheit dieses Humors fallen Begriffe wie unerwartet, geistreich, selbstironisch, leicht, spielerisch ein, gepaart mit Ernsthaftigkeit, Strenge und Können. Genau diese Worte beschreiben auch Charme und Ausdruck der Klezmer-Musik wie sie vom Quartett interpretiert wird. Diese Stimmung tragen die Musiker und besonders Klarinettist Holger Teichert in das Publikum. Sie erreichen ihr Publikum.

dw Rhein-Neckar-Zeitung (15.10.2012)

Von Lebensfreude bis Melancholie

Konzert: Klezmer-Quintett vermag Besucher in Kleinwallstadt Zehntscheune zu berühren und zu begeistern

Kleinwallstadt. Das einzige Quartett mit fünf Interpreten, angereist aus Heidelberg, dort wo die Herzen verloren gehen, eroberte am Freitagabend auch dir Herzen der Zuhörer im prall gefüllten Saal der Zehntscheune in Kleinwallstadt. Die fünf Vollblutmusiker boten Klezmer-Musik vom Feinsten, bisweilen sprühend vor Lebensfreude und Dynamik, aber auch durch Melancholie die Seele berührend.

Das Klezmer Quartett war bereits zum dritten Mal Gast im Landkreis Miltenberg. Wer die Konzerte besucht hatte, wurde mit immer neuen Klangfarben belohnt, denn die fünf Interpreten beherrschen nicht nur zahlreiche Instrumente, sondern können auch singen. Am Freitagabend wurde dies durch fesselnde Percussion getoppt.

Beeindruckende Trommelsoli

Florian scharnofske, der beim Klezmer-Quartett sonst dem Akkordeon mitreißende Töne entlockt, war kurzfristig ausgefallen und wurde durch den Percussionisten Joss Turnbull ersetzt. Der eher zierliche Musiker fungierte nicht nur als Rhythmusgeber, sondern glänzte mit Trommelsoli, bei denen den Zuschauern zuweilen die Spucke wegblieb.

Auf dem Cajon zeigte er bestechende Fingerfertigkeit und entlockte dem Tamburin die ungewöhnlichsten Trommelklänge. Keine Sekunde lang ließ Turnbull das Gefühl aufkommen, dass er nur Ersatz war. Insgesamt glänzten alle fünf Musiker durch ein perfektes Zusammenspiel und unterstrichen ihre virtuose Geschicklichkeit bei einzelnen Soli.

Moldawischer Tanz

Bei Klezmer spielt die Klarinette neben der Fidel eine herausragende Rolle, denn sie gibt der Musik das Unverkennbare Timbre, das Lebensfreude und Leidenschaft, aber auch Trauer und Melancholie ausdrückt. Hier zeigte sich Holger Teichert,  Quartett-Gründer und Kopf der Gruppe, als Brillanter Könner voller Engagement und musikalischer Kunstfertigkeit. Sein Bruder Jörg hatte diesmal Trompete und Tuba zu Hause gelassen und widmete sich ausschließlich dem Gitarrenspiel, wobei er bei einem wunderbar schrägen moldawischen Tanz sein Instrument zur Mandoline umfunktionierte und Klänge erzeugte, die dem der deutlich kleineren Zupfschwester sehr nah kamen.

Die Violine – im Jiddischen Fidel genannt – übernimmt sowohl die traurige als auch die lustige Seite der Klezmer Musik, denn sie kann entsprechend dem Bogenstrich tief schluchzen oder pure Lebensfreude entfachen. Martin Leckebusch beherrschte dies in Kleinwallstadt perfekt und war zudem noch ein amüsanter Moderator, der zwischen den Musikvorträgen mit Anekdoten und jiddischen Witzen erfreute. Als Fünfter im Bunde hatte Roland Döringer das wohl gewichtigste Instrument mitgebracht, einen Kontrabass. Wenngleich er zumeist im Hintergrund agierte und zur Homogenität des Ensembles beitrug, hatte er immer wieder Gelegenheit mit eingeschobenen Soli seine hohe Musikalität und technische Brillanz zu beweisen. Mal zupfte er, mal strich er mit dem Bogen über die Saiten.

Das Publikum war hingerissen und zum Schluss kaum noch auf den Plätzen zu halten. Der Applaus folgte lang anhaltend und rhythmisch, die Musiker zeigten sich jovial und bedankten sich mit zwei Zugaben.

Ruth Weitz;  Main-Echo (22.10.2012)

Pure Lebensfreude – virtuos, temporeich und mitreißend

Musik: Klezmer Quartett Heidelberg begeistert mit Fidel, Klarinette, Trommel und Akkordeon bei Konzertpremiere in der Kleinwallstädter Zehntscheune

Kleinwallstadt Noch vor der offiziellen Eröffnung des neuen Musentempels in Kleinwallstadt (siehe Seite 17), der Zehntscheune, fand dort am Freitagabend die erste Vorstellung statt. »Es ist die Premiere vor der Premiere«, sagte Veranstalterin Birgitte Funk. Sie hatte das Klezmer Quartett Heidelberg in die neuen Räume geholt und damit voll ins Schwarze getroffen.

Die Besucher im ausverkauften Haus zeigten sich begeistert und mitgerissen von einer Musik, die pure Lebensfreude ausstrahlt und dabei höchst virtuos und facettenreich interpretiert wurde. Bürgermeister Thomas Köhler fasste sich in seiner Begrüßung bewusst kurz. »Sie sollen die schöne Musik genießen.« Mit großem Brimborium zog das Quartett aus fünf Musikern in den Saal ein. Die Interpreten ließen es schon beim ersten Stück richtig krachen, untermalt mit rhythmischem Trommelschlag, putzmunterer Fidel, tänzelnden Akkordeonklängen, zwitschernder Klarinette und fröhlich schmetternder Trompete. Die Melodie war so temporeich und mitreißend, dass die Zuhörer bereits zu Beginn in muntere Stimmung versetzt wurden.

Die gute Laune wurde im Verlauf des Abends noch getoppt und veranlasste so manchen Zuhörer zu frenetischen »Bravo«-Rufen. Aber es waren auch leise, melancholische Töne, die vom Klezmer-Quartett intoniert und mit entsprechenden Begleittexten umrankt wurden.

Martin Leckebusch erzählte die Geschichte vom todkranken Rabbi, dem ein junges Mädchen sein Leben schenkte und daraufhin ihr eigenes aushauchte. Der Rabbi wurde gesund und durchlebte all das, was dem Mädchen widerfahren wäre, wenn der vorzeitige Tod es nicht dahin gerafft hätte. Die Hoffnung des Rabbis, dass der Lebenslauf nur eine einzige Schattenseite aufweisen würde, bewahrheitete sich nicht. Das Mädchen hätte ein sehr glückliches Leben gehabt.
Diese Geschichte hatte das fünfköpfige Ensemble in eine Musik gepackt, die von einer schluchzenden Violine (Michael Leckebusch) eingeleitet wurde. Nach und nach klinkten sich die übrigen Musikern ein: Holger Teichert (Klarinette, Saxofon), Florian Scharnofske (Akkordeon), Roland Döringer (Kontrabass und Percussion) und Jörg Teichert (Trompete, Tuba, Mandoline, Maultrommel), um die schwermütige Melodie mit den verschiedenen Klangfarben der Instrumente zu nuancieren. Fast schon schleppend zog sich die Musik dahin, um zum Schluss in eine fröhliche Tanzweise zu münden, und die Zuhörer hatten das Gefühl: Alles wird gut!

Alle fünf Interpreten zeigten sich hervorragend aufeinander abgestimmt und glänzten in ihren Soli als virtuose Könner. Das Publikum belohnte die mit Elementen aus Folk, Jazz und Ethno-Musik angereicherten Klezmer-Stücke mit anhaltendem Applaus. Zwei Zugaben wurden erklatscht, bevor die Gäste das Birgitte Funkes Angebot nutzten, bei einem Glas Sekt den Abend ausklingen zu lassen.

Ruth Weitz; Main-Netz.de (24.10.2011) 

Bunt, abwechslungsreich, mitreißend

Speyer ganz im Zeichen der Kultur- Streifzug und Begegnungen in einzigartiger Atmosphäre

(über die Speyerer Kulturnacht)…Eine Brücke zwischen traditioneller Klezmer-Musik und moderner, fröhlicher jüdischer Musik zu bauen – dieses gewiss nicht einfache Unterfangen gelang dem Klezmer Quartett Heidelberg, das schon traditionell wie auch in den zurückliegenden Kulturnächten das Publikum im mittelalterlichen Judenhof mit feinen Musikvorträgen begeisterte. Die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der authentischen Musik und dem geistreichen Witz ihres Volkes waren wieder ein Garant für Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Im proppenvollen Judenhof konnte sich ein vielschichtiges Publikum von der sorgfältigen Darbietung der Gruppe berzeugen. Kreativität und Ideen, stimmig auch in Gestik und Mimik, versprühten ein Feuerwerk an guter Laune und ließen alt und jung einen unvergesslichen Abend erleben. Holger und Jörg Teichert (Klarinette, Trompete), Martin Leckebusch (Geige), Roland Döringer (Kontrabass) sowie Florian Scharnofske (Akordeon) schafften es mit einem Intermezzo beeindruckender und mitreißender jiddischen Lieder, allen Stimmungslagen gerecht zu werden, und wie immer spielte auch das Huhn wieder eine besondere Rolle.

Der hier mehr als berechtigte faustische Ausspruch: „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! stand zur späten Freitagnacht,  beziehungsweise in den frühen Morgenstunden, in scharfem Kontrast zur Party im Hof des Verwaltungsgebäudes des Historischen Museums der Pfalz…

Speyer Aktuell (01.06.2011)

Jiddische Klänge auf staubigen Straßen

LEUTERSHAUSEN. Vor ausverkauften Haus spielte im Olympia-Kino das fünfköpfige Klezmer Quartett Heidelberg. Die aus dem Jiddischem stammende Musikrichtung vereint melancholisch „Lamentierliches“ mit leichtfüßiger bis hitziger Tanzbarkeit. Dabei wird der Sound der fünf „Brieder“ vom Schum-Schum der Tuba oder wahlweise dem minimalistischen Schlagwerk, aus Trommel, Becken und Holzblock, getragen. Dazu tritt ein Wettstreit um die Stimmführung zwischen virtuoser Fiddl einerseits und der, mal orientalisch beschwörend anmutenden, dann wieder übermütig lachenden Klarinette, die typischerweise mit Klezmererskem assoziiert wird. In der Mitte steht das vielstimmige Akkordeon, welches dem Ganzen einen bohèmehaften Anstrich verleiht.

Sei es mitreißender Gypsy-Swing oder ein traditioneller Chassidischer Hochzeitsmarsch; das Verführerische dieser Musik wurzelt vor allem in der großen Varianz an Instrumenten und vor allem der Tempi. Es ist kaum möglich, sich dem Sog zu entziehen, der aus provozierender Temporeduktion mit anschließend unvermitteltem Gasgeben resultiert. Es ist der Kontrast aus traurig und scheyn, minimal und überladen, betörend feinem Fiddlklang zu spannungsvoller Basslinie, der spätestens beim nächsten aufreizenden Aussetzer mit anschließender Verdoppelung des Tempos, unweigerlich zu wahren Begeisterungsausbrüchen im Publikum führt.

Darüber hinaus gelingt es diesen Klezmerim nicht nur mit ausgefeilten Arrangements und „ausgeklügelter Choreografie“ die Konzertbesucher in den Bann ihrer musikalischen Geschichten zu ziehen. Zwischendurch wartet der Primarius immer wieder mit kleinen, bisweilen in altertümlich anmutendem Deutsch vorgetragenen, Anekdoten auf, welche die Zuhörer etwa auf einen Wagen versetzen, der bei brennender Sonne auf einer staubigen Landstraße gen Städel schaukelt. Genauer gesagt in die „Kretschme“, wie unsere „Wättschaft“ sich jiddisch nennt. Die jeweils passende musikalische Untermalung gibt es natürlich inklusive.

So kam Stimmung auf, es wurde mitgeklatscht und – auf dei-dei-dei – mitgesungen. Sogar eigene Kompositionen erklangen, wie der Tantz vun di Tarantl (Jörg Teichert), eine virtuose Zitterpartie im 7/8-Takt mit sambaesker Trommel, die an ein genial ausgeticktes Uhrwerk erinnerte.

meh Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung (23.04.2011)

Mitreißendes Konzert des Klezmer Quartett Heidelberg im Rüsselsheimer Festungskeller

Variationsreich und temperamentvoll

(Von Nina Finkernagel)
RÜSSELSHEIM Musikalische Gegensätze aus dem slawischen Fundus traditioneller Musik prägten den Abend im Festungskeller, wo das „Klezmer-Quartett Heidelberg“ am Samstag auf Einladung des Vereines „Dorflinde“ gastierte.

Schwermütige Melancholie wechselte mit einem scheinbar unversiegbar sprudelnden Quell der Lebensfreude, dessen Impulse sich die vier Musiker zuspielten. Dabei stellten sie zugleich ihre technischen Qualitäten auf den Instrumenten unter Beweis. Der quirlige Klangstrom der Klezmer-Quadriga steigerte sich oftmals zu ekstatischen Geschwindigkeiten und öffnete eine neue Tür zu den Stücken.
Denn der unverwechselbare Charakter des Quartetts schlug sich in der Interpretation der Kompositionen nieder, die keineswegs an eine originalgetreue Wiedergabe gebunden waren, sondern der Individualität einen unbegrenzten Freifahrtschein gaben.

Martin Leckebusch verlangte seiner Geige Hochleistungen ab, während Klarinettist Holger Teichert sein Holzblasinstrument variationsreich und temperamentvoll einsetzte. Jörg Teichert spielte die Gitarre und Roland Döringer entlockte seinem Kontrabass inmitten eines osteuropäischen Liedes sogar ein Stückchen Bachscher Toccatenkunst. Leckebusch schaffte mit Moderationseinheiten Übergänge zwischen den einzelnen Kompositionen. Fast marschähnliche Hochzeitstänze gehörten zum dem Repertoire des Quartetts, ein typisches Tanzstück war mit dem „Freilach“, was „fröhlich“ bedeutet, vertreten.

Zu dem jiddischen Anteil und der osteuropäischen Folklore mischten sich auch Zigeunerweisen und Melodien aus dem Balkan ins Programm. Dynamisch und mitreißend zeigt sich das von Holger und Jörg Teichert 1999 gegründete Quartett im Festungskeller und präsentierte ein Stück Musikgeschichte in einem unverwechselbaren Stil.

Main Rheiner (24.10.05)

Volkssprache der Seele

Dorflinde: Klezmer Quartett Heidelberg reißt in der Festung seine 200 Zuhörer mit

(Von Karl Schliessmann)
Fast entsetzt winkt Martin Leckebusch ab, wenn der Vergleich mit Irith Gabriely und ihrer Gruppe Colaleila gezogen werden soll. Nein, meint der Geiger des Klezmer Quartett Heidelberg. Bis dahin sei es für ihn und seine Mitstreiter Holger Teichert, Roland Döringer und Jörg Teichert doch noch ein steiler Weg. Bei aller Bescheidenheit: So steil ist der Weg wohl doch nicht.

Vor vier Jahren haben sich die Heidelberger Musiker zusammengetan, um der „Volkssprache der Seele“, wie Klezmer als Musik der steuropäischen Juden benannt wird, eine neue Facette hinzuzufügen. Es ist ihnen trefflich gelungen. Davon haben sie am Samstagabend im Festungskeller knapp 200 Besucher des Dorflinde-Konzerts überzeugt. Mit seh- und hörbarer Spielfreude, mit Neigung zum Komödiantischen, mit musikalischem Können und mit jener Feinfühligkeit, die dem Klezmer die Seele verleiht.

Beim Rüsselsheimer Folk- und Jazzclub Dorflinde ist der Vergleich mit Colaleila und der „Queen of Klezmer“, wie Irith Gabriely gern genannt wird, durchaus erlaubt. Und zumindest in einem Punkt hat das Klezmer Quartett Heidelberg diesen Vergleich eindeutig zu seinen Gunsten entschieden. Die vier Heidelberger, bisher nur als Insider-Tipp in der Szene gehandelt, haben mehr Besucher in den Festungskeller gelockt als ehedem Colaleila und ihre Klarinetten-Virtuosin.

Und es ist Martin Leckebusch, den Teichert-Brüdern und dem vor drei Jahren neu hinzugekommenen Roland Döringer mit dem Kontrabass auf Anhieb gelungen, das Publikum zu begeistern. Atem raubende Tempowechsel mit jubilierender Leichtigkeit hingeworfen, ineinander verschlungene Melodienfolgen und die klagende Melancholie, mit der Geige und Bass-Klarinette im nächsten Atemzug das ganze Leid eines von allen über Jahrhunderte verfolgten Volks erzählten, schickten die Zuhörer durch ein Wechselbad der Gefühle. Dabei überwogen freilich die heiteren Seiten. Beim feurigen Czardas oder der Verquickung von „Those where the days my friend“ mit dem hebräischen Volkslied „Havanagila hava“, als 400 Hände den rasenden Takt mitschlugen und sich im rhythmischen Beifallssturm für eine mitreißende Leistung vereinten.

Echo Online (24.10.05)

Zwischen Melancholie und Lebensfreude

„Klezmer Quartett“ eroberte spielend das Publikum in der Scheuer

(Von Doris Weber)
Dossenheim. Anerkennende Worte waren allenthalben beim Verlassen der Museumsscheune zu hören. Roland Döringer, Bassist des „Klezmer Quartetts Heidelberg“, hatte wieder einmal Neues zur Veranstaltungsreihe „Kunst und Kultur in der Scheuer“ beigesteuert. Aber nicht nur Neues, wie sich schnell herausstellte. Sein Auftritt mit dem Programm „Freilach – zwischen Melancholie und Lebensfreude“ wird auch einen besonderen Platz in der Chronik der Veranstaltungen in der Scheuer einnehmen.
Holger Teichert, Klarinette, Martin Leckebusch, Geige, Jörg Teichert, Gitarre, und Roland Döringer am Kontrabass hatten sich noch nicht richtig warm gespielt, da war das Publikum in der voll besetzten Museumsscheune schon erobert. Das mag unzweifelhaft am Zauber der Klezmermusik liegen. Das lag aber ebenso unzweifelhaft an den vier Musikern selbst, die völlig unprätentiös ihre Instrumente nach allen Regeln der Kunst zum Klingen brachten. Das machte einfach Spaß.

Hatte Döringer als Mitglied der Veranstaltungsorganisatoren die Begrüßung der Zuhörer übernommen, führte Leckebusch durch das Programm. Mit Anekdoten und Geschichtchen verschaffte er den Musikern und dem Publikum kurze und unterhaltsame Atempausen. „Ihr wollt wissen, wie viele Männer und einem Dache leben? Zählt die Geigen an der Wand.“ Ganz wird die Rechnung nicht aufgehen, denn Leckebusch selbst stand mit zweien dieser Instrumente auf der Bühne. Aber nicht nur bis in die höchsten Töne Geige spielend engagierte er sich im Quartett. Er erhob auch seine Stimme und sang. Das war dem Publikum einen Extra-Applaus wert.

Was sie spielten? Ihr Programm folgte getreu dem Titel „Freilach zwischen Melancholie und Lebensfreude.“ Zwei Stücke, die „Freilach – Fröhlichkeit“ im Titel führten, belegten, dass dieses Lebensgefühl auf sehr unterschiedliche Weise erfahren werden kann. Das eine Stück spiegelte eine ausgelassene, von ungebremster Lebensfreude gekennzeichnete Fröhlichkeit wider. Das andere zeigte eine eher stille, in sich gekehrte. Beiden Stücken gemein war, dass sowohl Komposition als auch Vortrag von der Fähigkeit durchdrungen war, tief empfinden zu können. Tänze – „Das war der jiddische Charleston“, so Leckebusch – und Filmmusik wie „Bubamara“ aus „Schwarze Katze, weißer Kater“ hatten die Musiker auch einstudiert.

Warum Döringer vor Konzertbeginn noch unbedingt einen Notenständer besorgte, wodurch sich der Konzertbeginn verzögert hatte, bleibt eigentlich unklar. Denn Noten hatte keiner der vier Musiker gebraucht.

Rhein-Neckar-Zeitung (9.4.04)

Kunst und Kultur in der Scheuer

Klezmer Quartett begeistert in Dossenheim

Das Klezmer-Quartett bewies große Spielfreude. Die vielen Zuschauer kamen alle auf ihre Kosten. Mit Geige, Gitarre, Klarinette und Kontrabass hat das „Klezmer Quartett“ am vergagenen Freitag in der fast vollbesetzten Dossenheimer Museumsscheuer ein außergewöhnliches Konzert gegeben. Mitreißende Spielfreude und originelle Arrangements sind das Markenzeichen von Holger und Jörg Teichert, Martin Leckebusch und Roland Döringer. Vor allem jiddische Klezmer-Musik und Zigeunerweisen aus dem Balkan haben es dem Quartett angetan. Dabei stehen nicht möglichst historisch korrekte Aufführungen im Mittelpunkt, sondern die ausdrucksvollen Interpretationen der osteuropäischen Lieder. Kopf der Truppe ist der Dossenheimer
Musikethnologe und Bassist Roland Döringer. „Freilach – Zwischen Melancholie und Lebensfreude“ ist der Name des aktuellen Programms, das bei den Zuhörern gut ankam: Es gab immer wieder Szenenapplaus….

Dossenheimer Woche (6.4.04)